Teil II

Regeln und Freiräume


Welchen Freiraum sollten Sie den Schüler(-innen) geben?

Beide Extreme, zu große Einschränkung oder keine wesentliche Bindung sind nicht empfehlenswert. Ein Mittelmaß ist angebracht und wird erreicht indem Sie
gemeinsam mit den Schüler(-innen) Regeln aufstellen, die einhaltbar sind; auf die Hausordnung hinweisen, die eingehalten werden muss (z. B. Rauch- und Alkoholverbot in JH).

Halten die Schüler(-innen) sich nicht an die vereinbarten Regeln, sind erzieherische Maßnahmen zu ergreifen. Diese sollten ebenfalls gemeinsam mit den Schülern festgelegt werden, z.B.:
• zusätzliche Aufträge (sinnvolle Strafmaßnahmen)
• Ausschluss von gemeinsamen Unternehmungen;
• Elterninformation;
• Elterninformation mit der Bitte, das Kind sofort abzuholen.

Auftretende Schwierigkeiten sollten gesehen und nicht übersehen werden. Suchen Sie das Gespräch mit den Betroffenen und vertreten Sie Ihren Standpunkt klar und fest.
Für die Lösung von Problemen bietet sich ein Schülerrat an.


Freiräume

Es gehört zu den pädagogischen Zielen von Schulfahrten, Kindern und Jugendlichen auch eigene Zeiträume zum Entdecken, Spielen oder Faulenzen zu lassen. Ihrer Aufsichtspflicht genügen Sie in solchen Phasen, wenn Sie räumlich und zeitlich eingrenzen, wo sich die Klasse bewegen darf. Weisen Sie - falls es welche gibt - auf besondere Gefahren hin und geben Sie bekannt, wo Sie jederzeit erreichbar sind.

Die Voraussetzung für den Ausgang der Schülerinnen und Schüler auf eigene Faust ist eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern. Einen Formulierungsvorschlag finden Sie hier (pdf, 15 KB). Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Zeiträume und Vorfälle bei einer Schulfahrt der gesetzlichen Schüler-Unfallversicherung oder der Reichsversicherungsordnung (RVO) unterliegen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Handlungen nicht im Kontext mit dem räumlichen, zeitlichen und inneren Zusammenhang der Klassenfahrt stehen und deshalb dem privaten Bereich zugerechnet werden.

Ein Beispiel:

Steht auf dem Tagesprogramm der pauschale Begriff »Freizeit« während des Aufenthaltes in einer fremden Stadt, ist das versicherungsrechtlich unklar. Besser wäre es, wenn Sie schreiben »Zeit für Vertiefung des Programms und eigene Erkundungen«. Damit bleibt der innere Zusammenhang zu der Schulveranstaltung gewahrt.

Demgegenüber zählen z.B. die Schlafzeiten eindeutig zum privaten Bereich, obwohl man sich im Gemeinschaftsquartier aufhält. Manch nächtlicher Unfug untersteht nicht dem gesetzlichen Versicherungsschutz. Darüber sollten sich die Eltern und ihre Kinder im Klaren sein. Dasselbe gilt für zeitweise Beurlaubungen eines Kindes von der Klassenfahrt, zum Beispiel, weil es Verwandte besuchen möchte.


Wandern

Sport und Bewegung kommen im Alltag der Jugendlichen oft zu kurz. Es ist deshalb sinnvoll, während der Klassenfahrt für sportliche Elemente zu sorgen. Der Vorschlag »Wandern während der Klassenfahrt« stößt bei Schülern jedoch eher auf Ablehnung als auf spontane Begeisterung.

Das muss nicht sein. Meist finden auch Schüler an ausgedehnten Wanderungen Spaß, wenn sie dabei ein Ziel verfolgen können. Ein Gipfel, eine Burg oder eine schöne Aussicht reichen nicht immer aus. Ziele, die »ziehen«, sind zum Beispiel ein Abenteuerspielplatz, eine Grillhütte oder ein Schwimmbad. Spielen macht vor allem jüngeren Schülern Spaß. Eine Schnitzeljagd, Geländespiele oder eine Natur-Rallye motivieren auch Wandermuffel. Bei der geeigneten Zielauswahl sind auch Ihre Schülerinnen und Schüler gefragt! Beraten Sie sich in der Klasse über die Möglichkeiten und Alternativen. Eine sehr beliebte Wanderung führt die Gruppe zur Aussichtsplattform im Naturschutzgebiet Het Oerd wo man sich im Anschluss an die Wanderung von einem Treckergespann abholen lässt. Mit ein bisschen Aufwand kann man die Fahrt mit einem zünftigen Grillabend in der Unterkunft bzw. bei der Unterkunft beenden.


Wandern mit Einsicht

Bevor Sie mit Ihrer Klasse zur Wandertour starten, sollten Sie ein paar wichtige Dinge bedenken:

Region

Kein Wanderweg gleicht dem anderen. Gefahrenstellen, leichte Wegstücke, geeignete und ungeeignete Rastplätze wechseln sich ab. Aufgrund dieser Unwägbarkeiten ist es sinnvoll, wenn Sie als Leiter in der Region kundig sind. Wer die Wege kennt, kann die Wanderung mit der Klasse sicher organisieren.

Wie lange dauert es von Rastplatz zu Rastplatz, wo sind geeignete »Spielplätze« oder wo muss besonders auf die Schüler geachtet werden, sind Fragen, die Sie am besten schon klären, bevor es losgeht.

Geführte Wanderungen

Engagieren Sie für eine Tageswanderung einen Führer aus Ihrem Ferienort. Sie haben so mehr Zeit, sich um Ihre Schüler zu kümmern.
Besprechen Sie aber trotzdem vorher mit dem Führer den Weg, denn er kennt die Leistungsfähigkeit Ihrer Klasse nicht.
Auf Ameland gibt es solche speziellen Führer, die Ihnen und Ihren Schülern gerne die Besonderheiten der entsprechenden Wanderungen erklären.
Einen solchen Führer bekommen Sie z.B. über das Naturkundemuseum in Nes.
Auf die Hilfe eines Führers sollten Sie vor allem dann nicht verzichten, wenn Ihre Schüler auf eine Nachtwanderung bestehen.
Die Orientierung bei Dunkelheit in unbekanntem Gelände kann selbst dem kundigsten Kartenleser Probleme bereiten.
Und: Letztendlich bleibt die Verantwortung für die Schüler allein in Ihrer Hand.