Radtouren auf Ameland

Der Ausgangspunkt unserer Fahrradtour ist der Dreisprung in Hollum, die Gabelung Westerlaan, Hereweg, Schoolstraat und Burenlaan. Bevor wir das Dorf verlassen, radeln wir noch eben über den Hereweg, entlang der Doopsgezinden Kirche, dem Heimatmuseum und dem Museumsbauernhof. Wir biegen nach 200 m rechts ab in die Oosterlaan und genießen den Anblick der alten Kapitänshäuser. Am Ende der Oosterlaan befindet sich die Niederl. Hervormde Kirche mit dem Turm, der ebenso wie die Türme in Ballum und Nes als Seezeichen gebaut wurde.

Hinter der Kirche biegen wir links ab nach Süden. Sofort wenn wir die bebaute Gegend verlassen haben, müssen wir kurz anhalten. Links von uns sehen wir ein Gewässer, "de Lombok", und etwas weiter südlich (hinter dem Haus "Ibi Biene") sehen wir rechts noch zwei kleinere Wehlen. Diese werden das große und das kleine "Leendertswiel" genannt. Wehlen (wielen) sind früher durch eindringendes Seewasser entstanden, im Gegensatz zu den "dobbes", die gegraben wurden. Glücklicherweise sind auf Ameland noch einige dieser Gewässer in der Landschaft erhalten geblieben. Im Sommer, bei schönem Wetter, baden die Kühe darin, ein einzigartiger Anblick.

Wir setzen unsere Fahrt in südlicher Richtung fort, entlang dem Reeweg, bis an den Deich. Dort biegen wir links ab und nehmen den Radweg an der Nordseite, innen am Deich entlang in östliche Richtung. Ab und zu müssen wir kurz absteigen, um über den Deich auf das Brutgebiet zu schauen, das sich hier auf dem Queller befindet. Es wird empfohlen, ein Fernglas mitzunehmen. Damit können Sie in Ruhe die Umgebung genießen ohne die gefiederten Freunde zu stören. Hier an der Binnenseite des Deiches sehen Sie die Weidefauna in all ihren Nuancen. Im Winter und im Frühjahr kann es passieren, das bestimmte Weiden vollkommen mit einer Kolonie Ringelgänsen besetzt sind. Diese Ringelgänse sind charakteristisch für die Watteninseln. Sie verzehren täglich jede ein Pfund Gras und weil es sich hier um tausende handelt, richten sie viel Schaden in den Ländereien an.

Nachdem wir ca. 1200 m unten am Deich entlang gefahren sind, gehen wir hinüber zur Wattseite. Wir haben den verletzlichen Queller passiert und können nun ohne zu stören, vom Charme der Wattenseite genießen. Man sagt, dass das Watt am schönsten bei Ebbe sei. Die trocken liegenden Sandbänke, die charakteristischen Priele, das Sonnenlicht, das die Muscheln aufblinken lässt und die Wellen silbern färbt, das Watt wird niemals langweilig. Gleich wenn wir über dem Deich kommen, sehen wir von der Südküste die enorme Freiheitsplatte liegen. Früher kamen die Schiffe bei Flut dort an. Man ließ sie dann bei Ebbe trocken fallen und mit Pferdewagen wurden sie dann entladen. Die Pferde konnten die Wagen so auf die Platte ziehen.

Nachdem wir wieder 1 km an der Außenseite des Deiches geradelt sind müssen wir anhalten und wieder den Deich erklimmen. Landeinwärts haben wir eine herrliche Aussicht auf den Ooster Wijdegraben, ein einzigartiges Gebiet für Vögel. Wir setzen unsere Fahrt fort und nach einem weiteren Kilometer sehen wir rechts von uns eine Art Brückengeländer. Hier halten wir wieder kurz an. Im Jahre 1987 ist bei der Erhöhung des Deiches auf Deltahöhe an dieser Stelle eine neue Deichschleuse angebracht worden. Diese hat ein System, das dafür sorgt, dass das Binnenwasser zur See abfließen kann, aber kein Seewasser landeinwärts dringen kann. Wenn wir hier den Deich erklimmen und landeinwärts schauen, bekommen wir die schönsten Flecken der Insel zu sehen. Vor uns liegt das "Skutehon" ein Brachwasser mit einem besonderen Pflanzenwuchs. Dieser zieht einen reichen Vogelbestand an. Es kann geschehen, dass mehrere Koppel blaue Reiher sich mit würdevollen Flügelschlägen aus der Polderlandschaft erheben und sich auf den Sandbänken im Watt wieder niederlassen. Hier ist ein Platz von dem man niemals genug bekommen kann.

Wenn wir dann wieder unsere Route fortsetzen, fahren wir ostwärts bis zur Ballumer Bucht. Wir biegen eben rechts ab, den Stroomleidamm hinauf und wieder hinab. Dieser Damm wurde im Jahre 1847 angelegt. Die Küstenlinie der Insel verlief hier damals gerade, aber sie bröckelte langsam ab. Der Damm sollte dafür sorgen, dass die Insel an dieser Stelle nicht noch mehr Land verlor. Heute befindet sich hier der Liegeplatz des Rettungsbootes "Johannes Frederik" der Königlichen Nord- und Süd-Holländischen Rettungsgesellschaft. Es ist ein superschnelles Boot des Medinatyps und wurde 1988 in Dienst genommen.

Ameland bekam als erste Station in den Niederlanden die Verfügung über diesen neuen Typ Rettungsboot. Zurück vom Damm, fahren wir ostwärts weiter. Wir passieren nun den alten Hafen an der Ballumer Bucht. Er ist nun verfallen, war aber früher das Zentrum der Binnenschifffahrt. Heute wird das Frachtgut mit Frachtautos auf den Fähren eingeführt. Hinter der Ballumer Bucht, gehen wir dann wieder über den Deich und fahren dann landeinwärts. Wir nehmen den Weg nach Norden und kommen entlang der Gemeinde für öffentliche Arbeiten, dem Müllabladeplatz (der Müll wird im Übrigen in Containern zum Festland gebracht) und der Abwasserreinigungsanlage. Bei der Gabelung des Verbindungsweges biegen wir links ab und beim ersten Fahrradweg geht es wieder nach rechts. Der Ballumer Wald liegt nun links von uns und rechts ist Weidelandschaft. Über einem hohen Hügel, dem Ballumer Sanddeich, kommen wir in die Dünenlandschaft.

Es ist das Gebiet zwischen den Ballumer Dünen und den Zwanewater Dünen. Am Ende des Radweges sehen wir den Ballumer Blinkert, eine 13 Meter hohe Düne, die Blinkert genannt wird, weil sie von weitem in den Sonne blinkt (ebenso wie der Bureblinkert und der Oerdsblinkert). Nach einer kleinen Pause, es war doch anstrengend die 13 Meter hoch zu radeln, fahren wir in westlicher Richtung weiter, links also aus der Sicht des letzten Radweges. Wir kommen nun auf eine lebhafte Ostwest Route durch die Dünen und müssen mit Gegenverkehr rechnen. Im Winter und im Frühjahr bleibt hier viel Wasser in den Dünentälern stehen. Vom Reichswasserstaat wird dann eine extra "Kluunroute" angelegt, die man abwechselnd laufend oder fahrend bewältigen muss. Das macht die Strecke wieder zu etwas besonderem. Nach der Kreuzung mit dem Ballumer Strandweg bei Pfahl 7 beginnt eine Dünenlandschaft mit wieder ganz anderen Merkmalen.

Der Boden ist kalkreicher und hat eine andere Flora. Vom Frühling an blüht hier das wilde Dünenveilchen entlang des Radweges. Später ist der Boden gelb und weiß vom wilden Gipskraut. Im Herbst muss man auf Fasane achten, die über den Weg laufen. Wenn wir hier kurz absteigen und über die Dünenreihe im Süden von uns schauen, haben wir eine schöne Aussicht auf die Start- und Landebahn des Ballumer Flugplatzes. Im Sommer herrscht hier reger Betrieb, nicht zuletzt weil hier Kurse für Fallschirmspringen angeboten werden. Nachdem wir wieder ca. 1 km gefahren sind, müssen wir auf eine hohe Düne. Von hier haben wir eine schöne Aussicht zur Nordsee und um uns herum auf die Dünenlandschaft. Im Westen liegt ein Dünengebiet mit wieder einer anderen Vegetation und einem anderem Vogelbestand. Das Gebiet ist ziemlich morastig und am Rande des Radweges können wir Schwertlilien, Narzissen und den Rohrkolben sehen. Wir setzen unsere Fahrt fort und sehen plötzlich in Höhe von Pfahl 5 weiße Punkte auf dem Radweg. Hier kreuzen wir die Wanderroute "Finnegatpfad", die auch in dem Handbuch " Wander- und Fahrradrouten Ameland" vom VVV-Ameland beschrieben sind, woraus im Übrigen auch diese Radtour entnommen wurde. Weiter südlich liegt noch eine Wanderroute, die durch die "Lange Dünen". Diese ist mit weißen Pfählen markiert. Der Morastbewuchs geht nun in kahleren Bewuchs über. Wer die Route laufen will, muss immer daran denken dass hier ein empfindliches Brutgebiet ist. Ruhe ist daher absolut zu wahren und das man die Wege nicht verlässt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Radtour durch Dünen und Wald

Fahren wir weiter, kommen wir schnell nach Hollum. Bei der Gabelung mit dem Jan Roepespad halten wir kurz an. Von dieser Gegend müssen wir folgendes wissen: nach Süden schauend sehen wir auf ein Morastgebiet, in dem Cranberrys wachsen (übrigens die einzige Stelle auf Ameland), nördlich von uns liegt die "Engelmanns-Düne" die eigentlich der Blinkert von Hollum ist. Sie hat ihren Namen den englischen Seeleuten zu verdanken, die hier in den vergangenen Zeiten Schiffbruch erlitten und hier begraben wurden. Es sieht aus, als ob wir uns mitten in den Dünen befinden, aber hier ging früher das Pferderettungsboot entlang mit den rudernden Rettern.

Wir setzen unsere Route hinter dem Erholungspark "Boomhiemke" fort zum Oranjeweg. Dort biegen wir wieder rechts ab und fahren weiter nördlich vom Leuchtturm. Dieser Leuchtturm, der aus dem Jahre 1880 stammt, bekam 1988 eine neue Kuppel. Die alte steht nun vor dem Rettungsbootshaus. Zu bestimmten Zeiten ist der Leuchtturm für das Publikum geöffnet. Nun geht es weiter in westlicher Richtung zum Strandübergang. Auf den Dünen stehend sehen wir vor der Küste das enorme Bornriff liegen, eine Sandbank die jedes Jahr ihren Platz verändert. Deutlich kann man auch Terschelling sehen. Wir gehen wieder zurück zur Route und beim Parkplatz nehmen wir den rechten Radweg. Wir kommen in ein Dünengebiet mit steilen Hängen und dann in den Hollumer Wald. Hier kann man gut sehen, wie die Bäume unter dem salzigen Seewind, der meistens aus Westen kommt, zu leiden haben. Haben wir den Wald hinter uns gelassen, dann steigen wir noch einmal vom Rad und zwar bei der Kreuzung mit dem Badweg. Der Name sagt es schon, es ist ein Badweg, an dem sich bis zum Ende der fünfziger Jahre das Strandleben abspielte. Hier entstand auch das erste Erholungsgebiet bei Hollum. Oben auf den Dünen in Richtung Meer schauend, sehen wir auf die Stelle wo früher das Dörfchen Sier lag. Wir nehmen den Badweg in Richtung Hollum und radeln geradeaus zum Dreisprung, dem Ausgangspunkt unserer Radtour.

Die hier beschriebene Radtour stammt aus der vom VVV-Ameland herausgegebenen Broschüre " Wander- und Fahrradrouten Ameland" die käuflich beim VVV-Ameland erworben werden kann. In dem kleinen Handbuch sind alle Wander- und Radtouren die man auf Ameland so unternehmen kann ausführlich beschrieben.

Der Ausgangspunkt dieser Route ist das Büro der Wagenborg Passagierdienste B.V. am Reeweg in Nes, dicht bei der Gabelung des Rondweg und dem Weg, der zum Fähranleger führt. Wir folgen dem Reeweg in Richtung Dorf. Bei der ersten Gabelung biegen wir rechts ab, in den Hohen Eggenweg. Wir fahren nun aus dem Dorf. Angekommen beim Rondweg, nehmen wir den Radweg, in östlicher Richtung. Bei der Kreuzung Polderweg fahren wir rechts über die Kreuzung, bis zum Klinkerweg durch die Nesser Polder. Um uns hin wird es ruhig und bald hören wir nur noch das ununterbrochene Konzert der Weidevögel, die hier in vielen Arten vertreten sind.

Das Poldergebiet zwischen Nes und Buren nennt man "Miede". Vor dem Bau des Deiches an der Südseite der Insel war diese Polderlandschaft einigermaßen eingedeicht. Im Gegensatz zu den Poldern östlich von Buren, die "de Grie" genannt werden. De Grie war ein uneingedeichter Queller, der bei Hochwasser stets unterlief. Im Winter konnte es passieren, dass das Wasser bis ins Dorf Buren kam. De Grie wurde vor der Parzellierung gemeinschaftlich genutzt. Die Polder der Insel werden gegenwärtig für Viehzucht und Milchwirtschaft genutzt. Früher war Milchwirtschaft Nebensache, man züchtete Vieh (im 17./18.Jahrhundert). Ackerbau betrieb man nur für den eigenen Bedarf. Man baute Roggen an und um die Dörfer herum in der Hauptsache Kartoffeln. Auch die Dünengebiete wurden von den Landwirten genutzt. Von Mitte September bis Mitte Dezember weidete dort das Vieh, wurden Grassoden (Plaggen) gestochen, Schilf geschnitten für die Dachbedeckung und es wurden Kaninchen gejagt. So kam es, dass die Dünen bis zum Jahre 1884 größtenteils kahl waren.

Der Ackerbau ist aus dem Bild der Insel gänzlich verschwunden. In den letzten Jahren begonnen Bauern Mais anzubauen, welcher als Viehfutter verwendet wird. Nach einiger Zeit fahren wir südlich von Buren und rechts und links sehen wir 1m breite Gräben mit viel Schilf. Wenn wir süd-östlich von Buren den Reeweg kreuzen, biegen wir rechts ab und fahren den Reeweg nun in südlicher Richtung. Wir kommen auf den Deich und machen Pause, um die Gegend in Augenschein zu nehmen. Zuerst schauen wir hinter uns in nordwestliche Richtung. Von hier oben kann man gut sehen, dass der breite Graben ein Nebengraben des Deichgrabens ist. Die Pflanzen sind bemerkenswert und viele Vogelsorten haben hier Ihr Nahrungssuchgebiet. Die Bergenten fallen uns auf, durch ihr buntes Federkleid.

Auf dem Deich stehend haben wir bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht über das Watt, eine Aussicht die niemals langweilig wird. In der Ferne sehen wir die Küste mit den Kirchtürmen der friesischen Dörfer. Wir sehen die Anlegestelle der Fähre und den alten Steiger von Ameland, an dem Schiffe einen Liegeplatz suchen oder wieder auf dem Weg zum Wattenmeer sind. Der Platz an dem wir nun stehen wird Buresteiger genannt. Früher legten hier Schiffe an einem Kai an. Heute ist es hier einer der schönsten Angelplätze Amelands. Man kann von dieser Stelle aus dem Auto heraus Fische fangen und auch Behinderten bietet der Platz viele Möglichkeiten.

Wir steigen wieder aufs Rad und fahren an der Wattseite unten am Deich entlang weiter. Es wird empfohlen, diese Route bei Ebbe zu fahren. Eigentlich ist dann das Watt auch am schönsten. 90% liegt dann trocken, die Sandbänke glitzern in der Sonne und in den Prielen bewegt sich das funkelnde Wasser fort. Die Vögel, die es im Wattenmeer reichlich gibt, sammeln in der Zeit wenn das Watt trocken liegt soviel wie möglich Futter, und ruhen sich hier aus. Durch die geografische Lage, kommen zehntausende Vogelarten während ihres Zuges in das Wattengebiet um "aufzutanken".

Das Wattenmeer entstand vor ca. 7000 Jahren. Was nun Watt ist, war damals Moorlandschaft. Die Inseln lagen wie ein Wall nördlich von diesem Moor. Durch die Steigung des Seespiegels wurde dieser Wall an mehreren Stellen durchbrochen und das dahinter liegende Gebiet kam unter den Einfluss von Ebbe und Flut, die zweimal täglich wechseln. Nachdem wir ca. 800 m an der Außenseite des Deiches geradelt sind, können wir bei Ebbe die Reste eines alten Damms zwischen Ameland und dem Festland sehen. Dieser Damm wurde in den Jahren 1871/72 durch die "Gesellschaft für Landgewinnung auf den friesischen Inseln" angelegt und zwar als Schlammdeich. Reich und Provinzen übernahmen jeder 200.000 Gulden der Gesamtkosten. Schon im ersten Winter beschädigten Stürme den Deich. Er wurde später erhöht und schwerer gebaut, aber es glückte nicht.

Nach schweren Stürmen in den Jahren 1881/82 sah man von weiteren Reparaturen ab. Es ist heute kaum zu glauben, dass es in den Jahren 1938 und in den sechziger Jahren Pläne gab, ein oder zwei Dämme nach Ameland zu bauen und das dazwischen liegende Watt ein zupoldern. Erst im Jahre 1971 erklärte Den Haag offiziell, die Wattensee in ihrer alten Form bestehen zu lassen.
Wieder 800 m weiter, dort wo ein großes gelbes Schild mit einem schwarzen K (Kabel) auf dem Deich steht, müssen wir absteigen und das Rad über den Deich in Richtung Insel schieben. Hier ist der Platz, wo die Kabel der E-Werke und die Rohre der Gaswerke auf die Insel kommen. Auch eine Leitung, die die Milch von Ameland zum Festland transportiert, befindet sich hier. Diese Leitung wurde gelegt, nachdem die letzte Milchfabrik der Insel in Hollum im Jahre 1977 geschlossen wurde. Die Bauern von Ameland bezahlen gemeinsam die Anlage und die Unterhaltungskosten. Die Stelle im Watt, an der die Leitungen eingegraben sind nennt man "Wantij".

Wir begeben uns nun wieder landeinwärts. Wenn wir die Treppe hinuntergehen und den Deichgraben passieren sind wie an einer Stelle, die man "Witte Brug" (weiße Brücke) nennt. Vor der Anlage des neuen Deichs gab es hier eine weiße Brücke über den Deichgraben. Sobald wir wieder in den Poldern sind, fällt es uns auf dass die Vogelstimmen sich ändern. Das Wattenkonzert hat wieder für das Weidenkonzert Platz gemacht; was wünschen wir uns noch mehr?
Im Frühjahr und Sommer finden wir hier den Kiebitz, den Rohrschenkel, den Austernfischer, die Uferschnepfe, den Wiesenpieper und einige Kampfläufer. Im Winter und im Frühjahr gibt es hier tausende Ringelgänse, eine für das Wattengebiet typische Gänseart. Der totale Bestand an Ringelgänsen beträgt ungefähr 140.000, von denen etwa fünf- bis achttausend nach Ameland kommen. Ungefähr am 28.Mai fliegen sie nach Sibirien wo sie brüten und nach fünf Monaten wieder zurückkehren. Bei der ersten Kreuzung biegen wir rechts ab und dann den zweiten Weg links ab, zur Entenkoje. Früher lagen östlich von Buren noch zwei Dörfer: Swartwolde und Op ten Noord oder auch Oerd genannt. Wann diese Dörfer verschwunden sind ist nicht genau bekannt.

Oerd soll ein Fischerdorf gewesen sein, von dem nach einem Sturm im Jahre 1825 Reste von Häusern zum Vorschein kamen. Man fand Schmiedewerkzeuge und silberne und kupferne Münzen. Swartwolde wird erwähnt in der Zeit als die Entenkoje angelegt wurde. Am 04.Mai 1704 kaufte Johan Willem Friso, Prinz von Oranje, Erbstatthalter von Friesland, die Insel von den Erben der Herren von Ameland. Auf sein Ansuchen werden im selben Jahr Vorbereitungen getroffen für die Anlage der Koje und die Bebauung des Kojenplatzes. Am 22.September 1705 wird das Koje-Gesetz festgelegt.

Dieses beinhaltet, dass in einem bestimmten Abstand um eine Koje kein Lärm gemacht werden darf, um die Ruhe dort nicht zu stören. Dieses Gesetz gilt im Übrigen auch noch heute. Die Abgrenzungen bei den Kojen sind in den Provinzen unterschiedlich geregelt. In den Jahren 1705 bis 1716 wurde an die Entenfänger ein Gehalt gezahlt. Später pachteten sie die Entenkojen. Die Erträge die nicht gering waren, konnten sie behalten. Im Jahre 1946 wurde Willem Kiewied Entenfänger. Im Jahre 1949 kaufte er die Anteile der anderen Fänger auf. Die Fänge gingen zurück und die Koje verfiel.1976 ergriff Willem Kiewied die Initiative die Koje wieder in den alten Zustand zu bringen. Leider konnte er das Resultat seiner Arbeit nicht mehr selbst ansehen, da er vor Beendigung der Arbeiten starb. Sein Sohn Walter setzt nun die Entenfänger - Tradition fort. Die Koje ist noch eine fangende Koje, die auch für Publikum zu besichtigen ist. Der Entenfänger selbst führt die Rundführung. Auf den Häusern des Kojeplatzes ruht noch stets das "Schornsteinrecht". Es stammt aus dem Jahre 1706 und lautet: "Jene, die ein Jahr lang einen rauchenden Schornstein haben (an dieser Stelle), sind berechtigt ihr Vieh grasen zu lassen auf...," (in diesem Fall auf dem Nieuwlandsreid).
Gleich hinter den Häusern der Koje biegen wir links ab. Wir fahren auf dem Kooiweg in westliche Richtung und nehmen den ersten Weg nach rechts, in nördliche Richtung, der uns hinter den Campingplatz "Klein Vaarwater" bringt, der im Jahre 1960 eingerichtet wurde. Dort biegen wir links ab in den Klein-Vaarwaterweg dem wir bis zur Gabelung mit dem Strandweg folgen. Wir fahren wieder links und dann beim nächsten Weg wieder rechts, in Richtung "de Vleyen".

Früher lagen hier die Landbaufelder die zu Nes gehörten. Bis zum Jahre 1960 wurde hier viel Roggen angebaut. Auf dem Kulturboden hat man nun mit Waldanpflanzung begonnen. Das ganze Gebiet ist nun Erholungsgebiet geworden. Es gibt hier Spielgeräte, eine Wasseranlage mit Planschbecken und Fischteich, Wander- u. Radwege, ein Besucherzentrum und ein Subtropisches Schwimmbad.

Wir verlassen das Gebiet "De Vleyen" an der Westseite und biegen rechts in den Strandweg ein. Am nördlichsten Punkt des Strandweges angekommen, biegen wir nun links ab nach Westen. Wir fahren am Campingplatz "Duinoord" entlang. Die Insel hat hier unter viel Küstenabbröckelung zu leiden. Hier ist die Stelle mit dem sog. "Knick im Rücken". Früher standen am Ende des Strandweges von Nes zwei berühmte Strandhotels "Scheltema" und "Steinvoorte". Diese Hotels verschwanden im Februar 1953 und im Januar 1976 in der See. Nun wird der Strand bei Nes alle 10 Jahre mit Sand aufgefüllt, um die Insel vor weiteren Abschlag an dieser Stelle zu bewahren. Wir folgen dem Radweg durch die Dünen nach Westen. Bei der Kreuzung mit dem Westerpad treffen wir auf ein weißes Haus, das Kooihaus. 600 m weiter westlich liegt noch eine zweite Koje. Diese hat jedoch niemals eine echte Fangfunktion gehabt, die Flugroute der Enten liegt viel südlicher. Nach der Wattseite und den Poldern sind wir nun in eine ganz andere Landschaft gekommen, in eine Dünenlandschaft mit den ihr eigenen Pflanzen (z.B. Heide). In der Gegend wo wir radeln, halten sich auch Rehe auf. Diese Tiere sind schwimmend und watend über das Watt gekommen. Ameland ist die einzige Watteninsel auf der sich ein bescheidener Rehbestand entwickelt hat.

Nachdem wir 4 km auf dem Radweg gefahren sind, müssen wir hart in die Pedalen treten, um auf den 13 m hohen Ballumer Blinkert zu kommen. Oben befindet sich eine Ruhebank und die steht nicht umsonst dort. Wenn wir uns erholt haben, können wir auch dem Strand einen Besuch abstatten. Nachdem wir von der prächtigen Aussicht genossen haben, setzen wir unsere Fahrt nach Süden fort. Die verschiedensten Landschaften wechseln nun schnell hintereinander ab. Wir haben noch eine Steigung zu nehmen, den Ballumer Sanddeich. Dieser ist ebenso wie der Mochdeich vom Reichswasserstaat in dieser Gegend als Seedeich angelegt worden. Im Süden des Ballumer Sanddeichs befindet sich ein bewaldetes Gebiet, das ist der alte Müllabladeplatz von Ameland.


Links sehen wir auf eine Weidelandschaft und rechts auf den Wald von Ballum. Schließlich kommen wir auf den Verbindungsweg, wir biegen nach links ab und bleiben auf dem Radweg bis zur Abzweigung Ballumer Bucht. Hier biegen wir rechts ab und kommen an der Kläranlage der Insel vorbei. Wir nehmen die Auffahrt zum Deich und fahren hinüber zur Wattseite. Hier ist die Stelle, wo der Hafen in der Ballumer Bucht lag. Es war der Anlegeplatz der Amelander Binnenschiffer, die bis in die achtziger Jahre fuhren. Nun kommt die Fracht mit Lkws auf die Insel.


Südwestlich von hier liegt der "Stroomleidam", wo unsere Route aber nicht entlang führt. Wir sehen den Damm in der Ferne liegen. Er wurde im Jahre 1847 angelegt, um die Insel vor Küstenabschlag zu schützen. Vor dieser Zeit verlief die Küstenlinie hier beinahe gerade, ohne Buchten. Wir fahren weiter in östlicher Richtung an der Wattseite entlang. Nach 2,5 km weiter halten wir eben an, um zu Fuß über den Deich zugehen und nach dem Priel (Slenk) zu schauen, der tief in die Insel dringt. Früher drohte an dieser Stelle die Insel geteilt zu werden.

Weiterfahrend sehen wir den Fähranleger. Dort angekommen biegen wir nach links ab und fahren über die Kreuzung (Kreisverkehr) an unserem Ausgangspunkt vorbei bis wir auf der linken Straßenseite das gemütliche Restaurant/Cafe " de Klimop " sehen. Dort kehren wir ein und lassen uns vom Wirt verwöhnen.
Das ist dann das Ende unserer Tour.

Wander- und Fahrradrouten Ameland

© VVV-Ameland 1988



Alle hier beschriebenen Radwanderrouten stammen aus dem Heft "Wander- und Fahrradrouten Ameland" das Sie in jedem Zeitschriftenladen auf der Insel Ameland sowie beim VVV-Ameland erwerben können.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website um diese laufend für Sie zu verbessern. Mehr erfahren